• - Andreas Hassenstein -

(M)eine Weihnachtsgeschichte – für jeden Tag


Soeben kitzelt es mich wieder mal an den Fusssohlen . . . und dies hat seinen Ursprung an einer Weihnacht Mitte der Neunzigerjahre.


Damals hatte ich gerade meinen langjährigen Wohnort und vieles mehr in Bern aufgelöst und war in ein kleines Dorf auf dem Land gezügelt. Meine erste Weihnacht alleine dort: Nach dem mit mir liebevoll gekochten und genossenen Weihnachtsessen packte mich plötzlich eine enorme Welle von Selbstmitleid: Ganz alleine und unendliche 20 km von der sog. Zivilisation entfernt . . . ich musste raus obschon draussen ein Schneesturm tobte.


Dick eingepackt kämpfte ich mich in Richtung eines keinen Waldes. Es war stockfinster. Trotzdem konnte ich mich stolperfrei durch den Wald bewegen. Im Wald war es sehr, sehr ruhig obschon der Schneesturm nach wie vor tobte. Ich suhlte mich immer noch in Selbstmitleid und fragte mich, was ich hier wollte. Da sah ich «diese» majestätische Eiche, die an einer Waldecke wachte. Zielstrebig ging ich auf sie zu, hielt mich fest, umarmte sie, bis ich wieder einigermassen «zu mir» gekommen, wieder geerdet war und dieses Geerdet sein spürte ich ganz deutlich als Kitzeln in meinen Fusssohlen.


Eine grossartige verbindende Energie entstand zwischen uns. Daraus bildete sich eine Art energetischer Scheinwerfer, der eine ganze Weile lang für alle Wesen strahlte, die dieses Licht in dieser stürmischen Winternacht brauchen konnten. Ich war sehr glücklich – und meine neue Eichenfreundin auch.


Ich besuchte die Eiche in der Folge oft, war es einfach zum «tschau» sagen, Philosophieren oder . . . Ein physischer Kontakt war gar nicht mehr nötig – obschon auch immer wieder schön – denn ich spürte jeweils ein feines, wohliges «Kitzeln» in den Fusssohlen. Ein ähnliches Gefühl, wie wenn man im Bett mit jemandem, den man gerne hat «füsselt». Eine vertraute, wohlige Beziehung.


Nachdem ich mich auf dem Lande gut eingelebt hatte, spazierte ich an einem sonnigen Tag der nahegelegenen Emme entlang, schaute spielenden Kindern zu und – einfach so aus dem Nichts – spürte ich ganz klar dieses «Kitzeln» wieder – wie in der kalten Nacht um Weihnachten. Erstaunt sah ich mich um, entdeckte in kurzer Entfernung eine Gruppe junger Eichen. Ich hatte das starke Gefühl, dass sie mich auf diese Weise begrüssten obschon sie mich vorher noch nie gesehen hatten. Wow! Sie schienen über die Eichen-Familien-Wurzeln von meiner Bekanntschaft gewusst zu haben und ich fühlte mich begrüsst wie ein altbekanntes Familienmitglied.


Seit der ersten solchen Erfahrung erlebe ich dieses «Begrüssungs-Kitzeln» in den Fusssohlen heute noch öfters, auch wenn ich in Gedanken abwesend an einer Eiche vorbeigehe.

Es hängt vermutlich doch alles irgendwie zusammen, sichtbar oder unsichtbar.

Bleiben wir also «gschpürig» und bleiben wir untereinander in Kontakt. Auf die eine oder andere Art und Weise.

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